Vieles, was Redakteure und Autoren an Texten kurz vor der Sendung im Fernsehen wieder verwerfen, ist mehr als brauchbar. Das stellen namhafte Comedy-Autoren wie Moritz Netenjakob und seine Gäste zum Brüllen komisch unter Beweis.
Nach dem durchschlagenden Erfol im letzten Jahr durchwühlen sie wieder einmal ihre geheimen Archive und lesen neue und wieder einmal vom Fernsehen abgelehnte, also bislang unveröffentlichte, eigene Texte. Und sie fragen sich erneut, ob sie nicht einfach viel "Zu gut für's Fernsehen?!" sind.

Erleben Sie mit, was der Fernsehnation vorenthalten wurde: Seien Sie fassungslos über Klaus Kinski in einer WG mit Udo Lindenberg! Erleben Sie die Ingo Appelt Show ohne Ingo Appelt! Und seien Sie empört über die Nummer zum 11. September, die damals sogar der Stunksitzung zu hart war.
Freuen Sie sich auf neue gelesene uns gespielte Sketche von Moritz Netenjakob (Stunksitzung) uns seinen Gästen: Thomas Lienenlüke (Ingo Appelt Show), Chris Geletneky (Ladykracher) und Mark Welte (Die Dreisten Drei).

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Kritik
Kölner Stadt-Anzeiger, 03.11.2004Eichel übersetzt den „Hamlet“ Sechs Comedy-Autoren unterhielten auf der Eifelturm-Bühne Was nie im Fernsehen zu sehen war, wurde nun live geboten. Von MARIANNE KOLARIK Wer Sketches für TV-Comedians schreibt, muss sich auf manches gefasst machen. Zum Beispiel darauf, dass gute Ideen auf Ablehnung stoßen. Mal sind es die Akteure selbst, mal die zuständigen Redakteure, denen die vorgelegten Texte nicht gefallen. Grund genug, ein eigenes Programm mit dem Titel „Zu gut fürs Fernsehen?!“ zu stemmen. Mit Chris Geletneky („Ladykracher“, „Freitag Nacht News“), Thomas Lienenlüke („Ingo Appelt Show“, „RTL Samstag Nacht“), Sonja Schönemann („Wochenshow“, „Anke Late Night“, „7 Tage, 7 Köpfe“), Markus Zimmer („Harald Schmidt Show“, „Anke Late Night“), Mark Welte („Die Dreisten Drei“, „Freitag Nacht News“) und Moritz Netenjakob („Hella & Dirk“, „Switch“ und „Stunksitzung“) als witziger Moderator des Abends saßen Autoren an einem Tisch, die wissen, wie man funktionierende Lach-Nummern schreibt. Ansteckende Laune Anders als sonst, mussten sie nun selbst für eine angemessene Präsentation ihrer Sketches sorgen. Was – wie sich herausstellte – gar nicht so einfach ist. Während weniger Geübte die Texte mehr oder minder stoisch vom Blatt lasen, zeigten sich andere als begabte Interpreten: alles in allem aber zündete das Ganze wegen der ansteckend guten Laune aller Beteiligten. Dabei hatte es ganz unterschiedliche und nicht immer nachvollziehbare Gründe für die Ablehnungen gegeben. Dieter Hallervorden zum Beispiel war eine Nummer „zu intellektutell“, weil „Hamlet“ in einer neuen Übersetzung von Finanzminister Eichel Erwähnung fand: sehr schade, das hätte man gerne gesehen. Genauso wie die Szene mit „Familie Tod“, die Markus Maria Profitlich nicht gefiel, oder die wunderbare Geschichte vom Gesang der Buckelwale für Bastian Pastewka, alias „Brisko Schneider“. Zum Beispiel. Beim Zuhören keimt jedenfalls der Gedanke auf, dass es mit dem (schwarzen) Humor der Fernsehverantwortlichen nicht allzu weit her sein kann. Oder glauben Sie am Ende ernsthaft, der Zuschauer würde diesen nicht verstehen? Wie auch immer: Das Publikum im Theater hat sich schlapp gelacht. |
Kölnische Rundschau, 04.11.2004Für das Fernsehen viel zu lustig Comedy-Autoren lasen Abgelehntes Von BARBRO SCHUCHARDT Wenn diese Texte abgelehnt wurden – wie gut mussten dann die gesendeten sein? Man kam jedenfalls aus dem Lachen nicht heraus, als sechs Comedy-Autoren unter dem Motto „Zu gut fürs Fernsehen?!“ im Eifelturm Sketche vorlasen, die bei Harald Schmidt, Anke Engelke, Markus Maria Profitlich oder Ingo Appelt (bzw. deren Redaktionen) durchgefallen waren. Gründe etwa „zu hart“, „zu hoch“, „zu hintergründig“ – oder gar keine. Während Sonja Schönemann und Mark Welte eher zur zurückhaltenden Spezies gehörten, erwiesen sich einige der Gagschreiber als Interpreten von hohem Unterhaltungswert. Zum Beispiel Thomas Lienenlüke (Ingo-Appelt-Show), Markus Zimmer (Harald-Schmidt-Show), Chris Geletneky („Ladykracher“) und der Gastgeber Moritz Netenjakob (Stunksitzung), begnadeter Parodist von Udo Lindenberg und Dieter Hallervorden. Letzteres in einer Nummer, die als „zu intellektuell“ abgelehnt worden war: „Didi“ erklärt sich bereit, wegen kultureller Sparmaßnahmen in Berlin alle Rollen von „Hamlet“ zu verkörpern. „Betroffenheit ausgelöst“ (und damit das Aus) habe selbst bei der Stunksitzung ein Sketch, in dem die kollektive Trauer nach dem 11. September 2001 in Form einer Fußballreportage abgehandelt wurde. Geschmackstabus gab es nicht bei diesem Griff in die komödiantische Grabbelkiste. Ob Stephen Hawkins im Home-Shopping-Kanal die Weltformel anpreisen muss oder die in Menschensprache übersetzten Gesänge der Buckelwale sich als schiere Pornografie entpuppen – selbst Kalauer, Makaberes und Sketche ohne Pointe wirkten zwerchfellerschütternd. Bitte mehr davon! |


Moritz Netenjakob 